Firmenfeier: Was man lieber lassen sollte

03.12.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (513 mal gelesen)
Firmenfeier,Weihnachtsfeier Recht auf der Firmenfeier © freepik - Anwalt-Suchservice

Manches Arbeitsverhältnis findet ein unrühmliches Ende, weil sich ein Arbeitnehmer auf der Betriebsfeier zu viel herausgenommen hat. Hier gilt: Auch in lockerer Atmosphäre gibt es Regeln.

Fast in jedem Unternehmen gibt es Betriebsfeiern zu bestimmten Anlässen. Dies kann ein betriebliches Sommerfest sein, ein Firmenjubiläum, und zum Jahresende ist natürlich die Weihnachtsfeier an der Reihe. Allerdings hat das fröhliche Zusammensein oft auch negative Folgen: Der eine Arbeitnehmer trinkt zu viel und sagt seinem Chef die Meinung, ein anderer legt vielleicht seine sexuelle Zurückhaltung gegenüber der attraktiven Kollegin ab, ein dritter findet anschließend online peinliche Fotos von sich. Und nicht zuletzt gibt es so manchen Kollegen, der eigentlich gar nicht mitfeiern möchte.

Muss ein Arbeitnehmer an einer Betriebsfeier teilnehmen?


Ob Weihnachtsfeier oder Sommerfest - gesetzliche Vorschriften über Betriebsfeiern existieren in Deutschland nicht. Daher kann der Chef Arbeitnehmer auch nicht zwingen, daran teilzunehmen. Hat ein Kollege also keine Lust, darf er durchaus zu Hause bleiben – allerdings nicht, wenn die Feier innerhalb der regulären Arbeitszeit stattfindet. Dann muss der Feierunwillige nämlich, anstatt zu feiern, seine normale Arbeitsleistung erbringen.
Es kann sich allerdings lohnen, über den eigenen Schatten zu springen und trotzdem hinzugehen. Dem Verhältnis zu Chef und Kollegen wird dies unter Umständen guttun. Wenn die Feier außerhalb der regulären Arbeitszeit stattfindet, wird sie übrigens nicht als Arbeitszeit bezahlt. Unzulässig ist es übrigens, einzelne Arbeitnehmer von der Feier auszuschließen.

In welchen Fällen tritt die Unfallversicherung ein?


Nun kann es natürlich vorkommen, dass man sich auf einer Betriebsfeier verletzt. Wer zum Beispiel auf dem Weg zur Weihnachtsfeier auf Glatteis ausrutscht und sich dabei den Arm bricht, ist in der Regel gesetzlich unfallversichert.

Dies hängt jedoch von einigen Voraussetzungen ab:

- Zunächst muss es sich um eine offizielle, von der Betriebsleitung organisierte Feier handeln (also nicht um eine private Aktion der Mitarbeiter einer Abteilung),
- der Unternehmer selbst oder ein Vertreter der Geschäftsführung ist anwesend,
- die Feier dient dazu, das Betriebsklima zu stärken,
- alle Mitarbeiter dürfen kommen (in großen Unternehmen reicht es aus, wenn alle Mitarbeiter einer Niederlassung oder einer großen Abteilung eingeladen sind),
- ein Großteil der Belegschaft ist tatsächlich anwesend (verlangt werden meist etwa 20 Prozent).

Zwar ist auch der Hin- und Rückweg zur Veranstaltung durch die gesetzliche Unfallversicherung versichert. Auf Umwege erstreckt sich der Versicherungsschutz jedoch nicht. Hier gilt nichts anderes als auf dem Weg von und zur üblichen Arbeit. Obendrein reicht der Versicherungsschutz auch nur bis zum offiziellen Ende der Betriebsfeier.

Wenn übermäßiger Alkoholgenuss die Ursache für einen Unfall ist, entfällt der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Welche Folgen drohen bei alkoholbedingtem Fehlverhalten?


Im Umgang mit Chef und Kollegen gelten auf der Firmenfeier auch arbeitsrechtlich keine anderen Grundsätze als im Tagesgeschäft: Niemand muss sich grobe Beleidigungen gefallen lassen. Diese können schnell zu einer Abmahnung oder auch zu einer fristlosen Kündigung führen. Der Einfluss von Alkohol gilt hier nicht als Entschuldigung. Das Landesarbeitsgericht Hamm sah zum Beispiel die Begriffe "Arschloch", "Wichser", "arme Sau" und den "Stinkefinger" gegenüber einem Vorgesetzten als völlig ausreichende Gründe für eine fristlose Kündigung an – und zwar trotz langjähriger Betriebszugehörigkeit (Urteil vom 30.6.2004, Az. 18 Sa 836/04).

Auch von körperlichen Auseinandersetzungen ist dringend abzuraten. Wenn beispielsweise ein betrunkener Mitarbeiter einen Kollegen schlägt, weil diesem seine Gesangseinlagen nicht gefallen haben, ist eine fristlose Kündigung zulässig. So entschied das Arbeitsgericht Osnabrück. Das Gericht erläuterte, dass es hier nicht entscheidend sei, ob es sich um einen Faustschlag oder eine Ohrfeige gehandelt habe: Ein körperlicher Angriff sei ein Kündigungsgrund (19.8.2009, Az. 4 BV 13/08).

Auch bei Sommerfest oder Weihnachtsfeier sollte man seinen Chef nicht duzen. So etwas kann als Mangel an Respekt aufgefasst werden und das Verhältnis zum Vorgesetzten verderben. Falls der Chef selbst auf der Feier das "Du" anbietet – vielleicht nach ein paar Bierchen – sollte man danach im normalen Arbeitsalltag erst einmal abwarten, wie dieser sich weiter verhält. Vielleicht wünscht sich der Vorgesetzte später dann doch wieder etwas mehr professionellen Abstand.

Dürfen Bilder der Firmenfeier online veröffentlicht werden?


Viele Menschen posten heute ohne großes Nachdenken alles, was sich in ihrem Leben abspielt - bis hin zum Essen auf ihrem Teller. So landen schnell auch Fotos von einer Firmenfeier in den Sozialen Netzwerken oder lustige Videos von den betrunkenen Kollegen bei Youtube. Damit sollte man jedoch vorsichtig sein: Bilder anderer Personen darf man nur mit deren Zustimmung veröffentlichen. Die Zustimmung zum reinen Fotografiert-Werden allein reicht nicht aus, es muss ausdrücklich um die Veröffentlichung gehen.

Obendrein können "lustige" Fotos von einer Betriebsfeier dem Ansehen des Unternehmens in der Öffentlichkeit massiv schaden. Dies sollten Arbeitnehmer unbedingt vermeiden.

Nicht einmal der Chef darf ohne Weiteres Bilder vom Sommerfest oder Firmenjubiläum bei Facebook posten. Auch er benötigt die (am besten schriftliche) Zustimmung der abgebildeten Personen. Je konkreter die Zustimmungserklärung auf die jeweilige Nutzung des Bildes abgestimmt ist, desto sicherer ist es.

"Kreative" Finanzierung der Betriebsfeier?


Leiten Mitarbeiter irgendwelche von Kunden bezahlten Gelder nicht an den Arbeitgeber weiter, sondern fügen diese einem im kleinen Kollegenkreis abgesprochenen eigenen Fonds für die Betriebsfeier hinzu, begehen sie eine Unterschlagung. Da es sich hier um eine Straftat gegenüber dem Arbeitgeber handelt, müssen sie mit einer fristlosen Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechnen (LAG Berlin – Brandenburg, Urteil vom 16.9.2010, Az. 25 Sa 1080/10).

Was sind die Folgen von sexueller Belästigung?


Eine sexuelle Belästigung nach § 3 Absatz 4 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) liegt bei jedem unerwünschten, sexuell bestimmten Verhalten vor. Darunter versteht man beispielsweise sexuelle Handlungen oder die Aufforderung dazu, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen mit sexuellem Inhalt oder unerwünschtes Zeigen von pornografischen Darstellungen.

Solches Verhalten kann ebenfalls einen Grund für eine fristlose Kündigung liefern. Daher sollten sich Arbeitnehmer auf betrieblichen Feiern auch in dieser Hinsicht deutlich zurückhalten. Mittlerweile gibt es übrigens auch einen besonderen Straftatbestand "Sexuelle Belästigung". Dieser stellt jedes sexuell bestimmte körperliche Berühren einer anderen Person unter Strafe, wenn diese sich dadurch belästigt fühlt (§ 184i StGB). Hier drohen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Mit dem Auto zur Firmenfeier - verträgt sich das?


Das Auto sollte bei einer Betriebsfeier lieber zu Hause bleiben – denn meist wird hier Alkohol konsumiert. Auch sollte man nicht vergessen, dass auch besondere allgemeine Anlässe zum Feiern - Weihnachten, Silvester, Fasching - Autofahrer nicht von der Beachtung der Straßenverkehrsordnung befreien: Wer falsch parkt, riskiert einen Strafzettel und wer unter Einfluss von Alkohol fährt, seine Fahrerlaubnis.

Praxistipp


Auch auf Betriebsfeiern müssen Arbeitnehmer ein paar Regeln beachten. Kommt es wegen eines Verhaltens auf einem Firmenfest zu einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber oder gar zu einer Kündigung, ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der beste Ansprechpartner.

(Ma)



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