Weihnachts-Urteile: Familienstress unterm Tannenbaum

23.12.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (490 mal gelesen)
Weihnachtsmann,Adventskranz Manchmal artet das Familienfest in Streit aus. Was tun? © Rh - Anwalt-Suchservice

Die Weihnachtszeit bringt nicht selten Stress mit sich, der auch persönliche Beziehungen belastet. Nicht selten äußert sich dies in Familienkrach und manchmal muss sogar die Feuerwehr anrücken.

Eigentlich sollte Weihnachten ja eine besinnliche Zeit sein. Aber: Viele Dinge können in der Weihnachtszeit für Ärger sorgen. Dies sind nicht nur familiäre Streitigkeiten. So droht auch Ärger, wenn sich Nachbarn oder Mieter und Vermieter Auseinandersetzungen über die weihnachtliche Beleuchtung liefern. Näheres dazu erfahren Sie hier:
Advent, Advent, die Lichterkette brennt
Weihnachten kann aber auch in der Familie durchaus anstrengende Formen annehmen. Ein solcher Fall kam zum Beispiel vor das Oberlandesgericht Oldenburg.

Vom Kind abgelenkt: Wohnung abgebrannt


Am ersten Weihnachtstag hatte eine Familie zusammen zu Mittag gegessen und dabei die Kerzen des Adventskranzes angezündet. Um 15 Uhr sollte ein Besuch beim Bruder des Vaters folgen. Aber: Alles dauerte mal wieder länger. So saß der Vater schließlich schon ungeduldig hupend im Auto und auch die beiden kleineren Kinder waren schon am Einsteigen. Die Mutter aber versuchte im Haus noch, den zehnjährigen Sohn zum Mitkommen zu bewegen. Dieser erwies sich als ungewohnt widerständig, was zu einer heftigen Auseinandersetzung führte. Schließlich schob die Mutter ihn einfach zur Tür hinaus und zum Auto.

Gegen Abend, als die Familie von dem Besuch beim Onkel zurückkam, lag die Wohnung in Schutt und Asche. Niemand hatte mehr an den brennenden Adventskranz gedacht.
Die Hausratsversicherung lehnte es rigoros ab, den Schaden von damals 50.000 DM zu tragen. Ihrer Ansicht nach hatten sich ihre Kunden grob fahrlässig verhalten. Das Oberlandesgericht Oldenburg entschied jedoch, dass die Versicherung zahlen müsse. Eine vergessene Kerze sei nicht gleich grobe Fahrlässigkeit. Einem Versicherungsnehmer sei insbesondere dann kein Vorwurf zu machen, wenn er die Kerzen eigentlich habe löschen wollen, dann aber durch unerwartete Umstände doch davon abgehalten wurde. Dies gelte in besonderem Maße für Ablenkungen durch quengelnde Kinder (Urteil vom 29.9.1999, Az. 2 U 161/99).

Was können Wunderkerzen anrichten?


Schon mehrfach mussten sich Gerichte mit den Folgen von allzu enthusiastisch benutzten Wunderkerzen befassen. Beispielsweise im Fall einer Frau, die beim Besuch ihres Enkels Wunderkerzen direkt am Christbaum angebracht hatte. Direkt darunter stand eine mit trockenem Moos gefüllte Krippe. Kurz nach dem Anzünden der Wunderkerzen stand schon das ganze Zimmer in Flammen. Auch hier wollte die Hausratsversicherung den Schaden nicht zahlen. Nach Ansicht des Landgerichts Offenburg war dies auch gerechtfertigt: Es sei doch Allgemeinwissen, dass man Wunderkerzen nicht an einer trockenen Tanne befestigen dürfe, ganz besonders nicht mit trockenem Moos darunter. Das Gericht bescheinigte der Großmutter grob fahrlässiges Verhalten (Urteil vom 17.10.2002, Az. 2 O 197/02).

Auch vor dem Landgericht Frankfurt ging es um Wunderkerzen. Hier hatten sich Kinder vom Au-Pair-Mädchen der Familie in deren Zimmer Wunderkerzen anzünden lassen. Dabei hatten die Kinder dem Mädchen gegenüber behauptet, dies sei von der Mutter erlaubt worden - was nicht der Fall war. Anschließend rannten sie mit den brennenden Wunderkerzen zum Weihnachtsbaum. Das Au-Pair-Mädchen schaffte es nicht mehr, sie aufzuhalten. Auch in diesem Fall fing schnell die Wohnung Feuer. Es kam zu einem Schaden von 200.000 Euro. Dem Gericht zufolge musste diesen die Versicherung tragen. Die Begründung: Es sei kein Allgemeinwissen, dass eine Wunderkerze bei einem Weihnachtsbaum eine explosionsartige Durchzündung verursachen könne (Urteil vom 18.5.2006, Az. 2-20 O 126/04).

Ehekrise unterm Weihnachtsbaum


Auch im nächsten Fall geht es um einen Streit mit einer Versicherung. Ein Paar hatte eine Kreuzfahrt geplant und diese lange zuvor schon gebucht. Der Urlaub sollte 4.500 Euro kosten. Nur kam es an Weihnachten zu einem massiven Streit, infolgedessen sich die Frau vom Mann trennte. Dieser stornierte die Traumreise - seine Reisestimmung war verflogen. Die Stornokosten wollte er von seiner Reiserücktrittskosten-Versicherung zurückbekommen. Weil diese jedoch nur bei Stornierung wegen Krankheit zahlte, gab er an, aufgrund der Trennung schwere Depressionen bekommen zu haben. Ein ärztliches Attest konnte er vorlegen.

Die Versicherung verweigerte jedoch die Zahlung. Das Amtsgericht München bestätigte ihre Ansicht: Den Versicherungsbedingungen zufolge müsse die Versicherung höchstens bei einer schweren Erkrankung des Versicherungsnehmers die Reiserücktrittskosten zahlen. Laut Attest leide der Mann jedoch nur unter "Unruhe, Schlaflosigkeit, Angstgefühlen und niedergedrückter Stimmung". Dies sei für einen Reiserücktritt nicht ausreichend. Das Amtsgericht wies sogar noch darauf hin, dass eine Kreuzfahrt in einem solchen Fall womöglich zur Aufhellung der Stimmung des Klägers beitragen könne (Urteil vom 3.8.2000, Az. 181 C 15698/00).

Späte Reue nach tätlicher Auseinandersetzung


Streit entstand bei einem anderen Ehepaar kurz vor Weihnachten: Zuerst gab es böse Worte, dann schlug der Mann seiner Frau mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Der achtjährige Sohn rief die Polizei. Auf Basis des Polizeigesetzes von Nordrhein-Westfalen verwiesen die Beamten den Ehemann der Wohnung und untersagten ihm, zurückzukommen. Dem Polizeigesetz nach ist eine solche Wohnungsverweisung für höchstens zehn Tage möglich. In diese Zeitspanne fiel nun jedoch Weihnachten. Nachdem die Emotionen abgekühlt waren, wollte die Familie dann doch das Weihnachtsfest zusammen verbringen. Der Mann beantragte im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes beim Verwaltungsgericht Aachen, die Anordnung der Polizei wieder aufzuheben. Frau und Sohn unterstützten ihn dabei.

Alles Bitten blieb jedoch vergeblich: Nach Meinung des Gerichts überwog hier das öffentliche Interesse an der Vollziehung der polizeilichen Verfügung die Interessen der Betroffenen. Das gemeinsame Weihnachtsfest fiel daher aus (Beschluss vom 22.12.2011, Az. 6 L 545/11).

Wo verbringt das Kind Weihnachten?


Wenn sich Eltern trennen, hat der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, in der Regel ein Umgangsrecht mit dem Kind. Feiertage sind in derartigen Fällen immer ein Streitpunkt. Kein Gesetz schreibt vor, bei wem ein Kind die Feiertage verbringen soll.

Allerdings können die Eltern in einer Umgangsregelung miteinander vereinbaren, bei wem das Kind über die Feiertage bleibt. Wenn die beiden Ex-Partner nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen, könnte das Kind beispielsweise am Heiligabend bei einem und am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag beim anderen Elternteil sein.

Manchmal wird auch vereinbart, dass das Kind bei einem Elternteil Ostern und beim anderen Weihnachten verbringt. Dies kann auch im jährlichen Wechsel geschehen. Grundsätzlich haben umgangsberechtigte Elternteile einen Anspruch darauf, jedenfalls einen Teil der Schulferien mit ihrem Kind zu verbringen. Sogar das Bundesverfassungsgericht hat so entschieden (Beschluss vom 23.3.2007, Az. 1 BvR 156/07). Wenn ein Familiengericht in einer solchen Frage entscheiden muss, wird es sich am Wohl des Kindes orientieren und das Kind dazu anhören.

Keine Geschenke – kein Sorgerecht


Das Oberlandesgericht Dresden beschäftigte sich mit einem Fall, bei dem es nicht nur um das Umgangs-, sondern gleich um das Sorgerecht ging. Dabei stritt ein getrenntes Paar wegen der gemeinsamen Kinder. Diese lebten bei der Mutter, welche das alleinige Sorgerecht beantragt hatte. Dieses sprach ihr das Gericht auch zu. Denn: Die Kinder seien vom Vater vernachlässigt worden. Für ihre Sorgen und Probleme habe er sich nicht interessiert. Der Vater habe nie von selbst mit den Kindern Kontakt aufgenommen und ihnen auch nichts zu Weihnachten geschenkt. Das Gericht beurteilte all dies als Anzeichen für ein sehr geringes Interesse an den Kindern und sprach der Mutter das alleinige Sorgerecht zu (Beschluss vom 27.2.2002, Az. 10 UF 743/01).

Praxistipp


In Familien sind die Weihnachtsfeiertage häufig mit Stress verbunden und manchmal schlägt dieser in Streit um. Hilfreich ist es dann, die Ruhe zu bewahren: Lassen Sie sich weder von quengelnden Kindern noch von anstrengenden Verwandten daran hindern, auf Kerzen zu achten und notwendige Sicherheitsmaßnahmen bei brennbarer Dekoration durchzuführen. Wenn es dann doch noch zu Sachschäden oder einem großen Ehekrach kommt, kann je nach Fall ein Fachanwalt für Familienrecht oder jeder im Zivilrecht tätige Rechtsanwalt helfen.

(Ma)



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