Wie funktioniert eine Mietkautionsversicherung?

16.07.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (132 mal gelesen)
Wie funktioniert eine Mietkautionsversicherung? © Bu - Anwalt-Suchservice

Eine Wohnung zu mieten, ist eine teure Angelegenheit – auch wegen der Mietkaution. Seit einiger Zeit nehmen Versicherungen dem Mieter diese Last ab. Wie funktioniert das genau?

Eine Mietkaution dient dazu, Forderungen des Vermieters aus dem Mietverhältnis abzusichern. Die Kaution darf nach dem Gesetz höchstens drei Nettokaltmieten betragen. Für den Mieter stellt die Kaution eine erhebliche Zusatzbelastung zu Beginn des Mietverhältnisses dar. Übliche Wege, die Kaution zu bezahlen, sind ein auf den Namen des Mieters angelegtes und an den Vermieter verpfändetes Kautionssparbuch, die Einrichtung eines Sparkontos mit einem Sperrvermerk, eine Bankbürgschaft. Zum Teil wird der Betrag der Kaution auch direkt dem Vermieter übergeben. Die Kaution kann in drei Raten gezahlt werden. Sie bleibt Eigentum des Mieters, der aber für die Dauer des Mietvertrages nicht an sein Geld herankommt.

Was ist eine Mietkautionsversicherung?


Eine Mietkautionsversicherung ermöglicht es dem Mieter, dem Vermieter Sicherheit zu leisten, ohne große Geldsummen aufbringen zu müssen. Im Grunde ist sie eine Abwandlung der Mietkautionsbürgschaft, bei der eine Bank oder ein privater Bürge verspricht, im Notfall für die Schulden des Mieters gerade zu stehen. Der Mieter zahlt einen monatlichen Beitrag, der Vermieter erhält eine Bürgschaftsurkunde der Versicherung.

Was ist versichert?


Die Mietkautionsversicherung deckt in Höhe der vereinbarten Versicherungssumme Forderungen aus dem Mietverhältnis ab. Dies können Schadensersatzforderungen des Vermieters für Schäden an der Wohnung oder nicht durchgeführte Schönheitsreparaturen beim Auszug sein. Diese sind ein häufiger Streitpunkt bei Ende des Mietverhältnisses. Auch Mietrückstände und nicht bezahlte Nebenkosten sind von der Versicherung abgedeckt. Wichtig zu wissen: Es handelt sich hier nicht um eine Versicherung, die Schäden an der Wohnung oder Mietausfälle endgültig bezahlt. Nachdem die Versicherung dem Vermieter das verlangte Geld ausgezahlt hat, holt sie sich das Geld vom Mieter zurück. Insofern ist hier „Versicherung“ eigentlich der falsche Ausdruck: In Wahrheit ist es eine Bürgschaft.

Welchen Vorteil hat eine solche Versicherung?


Für den Mieter hat sie den Vorteil, dass er keine große Geldsumme aufbringen muss zu einem Zeitpunkt, zu dem er die Kaution für seine alte Wohnung in der Regel noch nicht wieder zurück bekommen hat. Er kann den üblicherweise vierstelligen Geldbetrag, den er für die Kaution aufbringen müsste, also sinnvoll für andere Dinge verwenden – etwa für Möbel oder Umzugskosten. Zum Teil gehört zum Service der Anbieter auch eine Überprüfung, ob Forderungen des Vermieters berechtigt sind. Aber auch für den Vermieter hat die Mietkautionsversicherung Vorteile. So spart er erheblichen Verwaltungsaufwand für das vorschriftsmäßige Anlegen der Kaution auf einem getrennten Extrakonto, er muss sich nicht um die Zinsen und Zinsabschlagssteuern des Kautionskontos kümmern, er hat keinen Zeit- und Gebührenaufwand. Und er bekommt vom ersten Tag des Mietvertrages an die volle Absicherung, während der Mieter eine Barkaution durchaus in drei Raten zahlen darf. Obendrein überprüfen die Mietkautionsversicherungen vor Vertragsabschluss in der Regel die Bonität des Mieters.

Wie funktioniert die Auszahlung von Forderungen des Vermieters?


In der Regel wendet sich der Vermieter direkt an die Versicherung und fordert einen Teil der Kautionssumme ab. Diese gibt den Mietern dann meist 14 Tage Zeit, um gegen die Auszahlung Einspruch zu erheben und zu begründen, warum die Forderung nicht gerechtfertigt ist. Eine andere Variante ist die Mietkautionsversicherung „auf erstes Anfordern“. Dieser Zusatz bedeutet, dass der Vermieter sofort ohne Weiteres den verlangten Betrag ausbezahlt bekommt. Ist der Mieter der Meinung, dass dies nicht gerechtfertigt war, muss er den Vermieter auf Rückzahlung verklagen.

Welchen Nachteil hat die Mietkautionsversicherung?


Ein Nachteil besteht darin, dass der Mieter hier tatsächlich Geld ausgeben muss, statt es nur auf einem Kautionskonto liegen zu haben, auf dem es für ihn Zinsen ansetzt. Die Mietkautionsversicherung produziert immer weiter Kosten, egal wie lange das Mietverhältnis läuft. Wird eine Bürgschaft „auf erstes Anfordern“ vereinbart, kann der Vermieter sehr einfach Forderungen geltend machen. Ist die Forderung unberechtigt, kommt der Mieter um ein gerichtliches Vorgehen mit handfesten Beweisen nicht herum, um sein Geld zurückzubekommen.


Was kostet die Mietkautionsversicherung?


In der Regel ist mit 5 bis 5,25 Prozent der versicherten Kautionssumme pro Jahr zu rechnen. Einige Anbieter berechnen einen festen Grundbetrag und zusätzlich einen prozentualen Teil der Kautionssumme. Beispiel: Monatsmiete 600 Euro, Kautionssumme 1.800 Euro, Jahresbeitrag (5 %) 90 Euro, Monatsbeitrag 7,50 Euro.

Wer darf eine Mietkautionsversicherung abschließen?


Die Mietkautionsversicherung wird vom Mieter abgeschlossen. Sowohl private Mieter wie auch Mieter gewerblicher Räume können eine solche Versicherung – zu unterschiedlichen Konditionen – abschließen.

Muss der Vermieter sie akzeptieren?


Der Vermieter muss eine Mietkautionsbürgschaft oder -Versicherung nicht akzeptieren. Der gesetzliche Normalfall ist ein Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist. § 551 BGB lässt allerdings andere Anlageformen zu. Die Mietkautionsbürgschaft ist also Verhandlungssache. Der Mieter kann sich jedoch bei diversen Anbietern online mit Argumenten ausstatten oder den Vermieter an Hotlines verweisen, die ihm telefonisch Auskunft geben.

Was ist beim Mietvertrag zu beachten?


Es empfiehlt sich, die meist vorgedruckte Kautionsklausel im Mietvertrag nach entsprechender Absprache vor der Unterzeichnung zu streichen und dort kurz niederzulegen, wie die Kaution tatsächlich geleistet wird. Dann herrscht Klarheit für beide Seiten.

Praxistipp


Manche Vermieter verlangen zusätzlich zur Barkaution von drei Monatsmieten noch eine Bürgschaft als Sicherheit. Dieses Vorgehen ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes unzulässig, da hier eine Übersicherung stattfindet (Az. VIII ZR 243/03). Das Gesetz erlaubt eine maximale Höhe der Mietsicherheit von drei Monatsmieten (kalt). Bei Streitigkeiten über die Mietkaution kann Ihnen ein Fachanwalt für Mietrecht hilfreich zur Seite stehen.

(Bu)



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