Ameisen-Spähtrupp in der Mietwohnung

08.05.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 1 Min. (416 mal gelesen)
Ameisen-Spähtrupp in der Mietwohnung © Shestakoff – Fotolia.com
In einer Mietwohnung sind Insekten meist unerwünscht. Unter Umständen können Sie durchaus als Mangel der Mietwohnung angesehen werden – und damit als Grund für eine Mietminderung. Dies gilt jedoch nicht für Einzelexemplare.

Genau darum wurde aber vor dem Amtsgericht Köln gestritten. Ein Mieter hatte sporadisch Ameisen in seiner Wohnung vorgefunden. Dies waren zum Beispiel im Juli an drei Tagen ein bis drei Exemplare, im August an zwei Tagen Einzelgänger, im Oktober gab es sogar einen Tag mit vier Ameisen. Der Mieter minderte nun die Miete – seine Wohnung sei mangelhaft. Der Vermieter konnte dies nicht recht nachvollziehen, und so traf man sich vor Gericht.

Der Mieter legte nun genau dar, warum er ein paar Ameisen an wenigen Tagen des Monats als Mietmangel ansah: Er habe sich in der Fachliteratur informiert. Die hier auftretende Spezies entsende nämlich Späher-Ameisen. Fänden diese lohnende Beute – etwa Lebensmittel – markierten sie den Weg dorthin mit Geruchsstoffen. Dann folge die Invasionsarmee mit Arbeitern, Kriegern und Troß. Zwar habe man die Späher nach Möglichkeit standrechtlich exekutiert, ein Masseneinmarsch sei jedoch nicht auszuschließen.

Das Gericht bedachte diese Argumentation gründlich, erklärte aber dann, dass man die Miete nur dann mindern kann, wenn es wirklich einen Mangel gibt, der die Nutzbarkeit der Wohnung einschränkt. Und dieser muss erheblich sein. Einzelne Ameisen an wenigen Tagen des Monats seien eine nur unerhebliche Beeinträchtigung. Ohne eine tatsächlich nachweisbare Inbesitznahme der Wohnung durch die Hauptstreitmacht könne die Miete nicht gemindert werden.

Geschenkidee: Eine Ameisenfarm.

Amtsgericht Köln, Urteil vom 6.4.1998, Az. 213 C 548/97