Das Arbeitszeugnis – Grundwissen für Arbeitnehmer

02.04.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (229 mal gelesen)
Das Arbeitszeugnis – Grundwissen für Arbeitnehmer © Bu - Anwalt-Suchservice

Täglich endet ein Vielzahl von Arbeitsverhältnissen. Arbeitnehmer haben auch danach noch Ansprüche gegen ihren Ex-Arbeitgeber, u.a. den auf ein Arbeitszeugnis. Die wichtigsten Fragen dazu erläutert dieser Artikel.

Das Arbeitszeugnis markiert das Ende eines alten Arbeitsverhältnisses und ist oft die Voraussetzung für ein neues. Unklarheiten oder zweifelhafte Formulierungen können für den Arbeitnehmer erhebliche Folgen haben.

Viel ist schon über die Geheimsprache in Zeugnissen geschrieben worden. Aber es gibt auch viele andere Details, die beim Arbeitszeugnis zu beachten sind. Unterschätzen sollte man das Zeugnis nie – denn es ist die Eintrittskarte in den neuen Job.

Welchen Sinn und Zweck hat das Arbeitszeugnis


Ein Arbeitszeugnis enthält Informationen darüber, welche Tätigkeit ein Arbeitnehmer bei welchem Betrieb wie lange ausgeführt hat, welche Qualifikationen er besitzt, wie sein Verhalten gegenüber Chef und Kollegen war und ob man insgesamt mit ihm oder ihr zufrieden gewesen ist. Bei einer Bewerbung ist das Arbeitszeugnis das wichtigste Dokument, denn es enthält die entscheidenden Informationen für den Personalchef des neuen Arbeitgebers und entscheidet darüber, ob der Bewerber überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird.

Haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?


Jeder Arbeitnehmer hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Ob Vollzeit oder Teilzeit, ob befristeter oder unbefristeter Arbeitsvertrag spielt dabei keine Rolle. Rechtsgrundlage ist § 109 der Gewerbeordnung (GewO). Auch Azubis können nach § 16 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ein Zeugnis verlangen. Praktikanten haben einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nach § 26 in Verbindung mit § 16 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Auf ein Zwischenzeugnis können Arbeitnehmer einen Anspruch haben, wenn es dafür einen guten Grund gibt. Wann dies der Fall ist, ergibt sich aus der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte – zum Beispiel bei einem Wechsel des Vorgesetzten, bei Versetzung in eine andere Abteilung oder bei Elternzeit (Landesarbeitsgericht Köln, Az. 10 Sa. 482/07).

Was muss in einem Arbeitszeugnis drin stehen?


Dies richtet sich danach, ob es sich um ein einfaches oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis handelt. Ein einfaches Arbeitszeugnis muss Angaben zu den Personalien des Arbeitnehmers (Name, Geburtsdatum, Anschrift) sowie zur Art und Dauer seiner Tätigkeit enthalten. Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis kommen noch Angaben über Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis hinzu. Arbeitnehmer und Auszubildende können nach § 109 GewO und § 16 BBiG ein qualifiziertes Zeugnis verlangen. Wichtige Grundsätze sind die der Zeugniswahrheit und der Zeugnisklarheit. Das bedeutet: Das Zeugnis darf keine Formulierungen enthalten, die eine andere als die aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer treffen – also keine Geheimcodes. Außerdem muss das Zeugnis Leistung und Sozialverhalten des Arbeitnehmers bei wohlwollender Beurteilung zutreffend wiedergeben. Es gibt in Arbeitszeugnissen eine ganze Reihe von Formulierungen, die sich eingebürgert haben und die zum Teil branchenabhängig sind. Fehlt eine solche, kann dies für den Arbeitnehmer negative Folgen bei Bewerbungen haben. Vor Gericht wird eine solche Weglassung oft als unzulässiges Geheimzeichen angesehen. Daher kann der Arbeitnehmer eine Ergänzung fordern, wenn es für die Weglassung keinen sachlichen Grund gibt Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12. August 2008, Az. 9 AZR 632/07).

Was versteht man unter der Zeugnissprache?


Auch wenn Geheimcodes und -Zeichen eigentlich unzulässig sind, gibt es doch eine Reihe von Formulierungen, aus denen der mögliche neue Chef bestimmte Schlüsse ziehen kann. So deutet die Formulierung “seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei” auf ein Alkoholproblem hin. Ein Mitarbeiter, der “gutes Einfühlungsvermögen” zeigt, ist ständig nur am Flirten, und wer “seine eigene Meinung vertritt”, kann keine Kritik vertragen. Dann wird in jedem Zeugnis auch noch das Thema “Zufriedenheit” angesprochen. An der genauen Formulierung kann man schulnotenartig eine Bewertung des Arbeitnehmers ablesen. "Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" bedeutet “sehr gut”, “stets zu unserer vollen Zufriedenheit” bedeutet “gut”, “zu unserer vollen Zufriedenheit” ist eine Note 3, “zu unserer Zufriedenheit” ein ausreichend und “insgesamt zu unserer Zufriedenheit” eine 5. Alle Formulierungen, die ein “bemüht” enthalten, sprechen für einen recht nutzlosen Arbeitnehmer. Übrigens: Verziert ein Chef seine Unterschrift immer mit einem lachenden Smiley, darf er im Arbeitszeugnis keinen traurigen Smiley verwenden. Hier besteht Anspruch auf Nachbesserung (Arbeitsgericht Kiel, Az. 5 Ca 80b/13). Weitere Informationen zum Thema Zeugnissprache haben wir für Sie in diesem Artikel bereit gestellt.

Wann bekomme ich mein Arbeitszeugnis?


Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses entsteht mit Ablauf der Kündigungsfrist oder bei befristeten Arbeitsverträgen mit deren Schluss. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis muss der Arbeitgeber nur erteilen, wenn der Arbeitnehmer es verlangt. Dieser darf sich allerdings nicht beliebig viel Zeit lassen. Der Anspruch auf Erteilung eines Zeugnisses ist gesetzlich nach drei Jahren verjährt. Aber: Die Gerichte sehen den Anspruch auf Zeugniserteilung bereits nach einigen Monaten als verwirkt an. Ein Anspruch auf Zeugnisberichtigung kann schon nach vier Wochen verfallen sein. Hier gilt grundsätzlich: Schnell handeln. In vielen Arbeits- und Tarifverträgen lauern Ausschlussfristen. Diese Klauseln müssen sich nicht speziell auf das Arbeitszeugnis beziehen, sondern können auch einen allgemeinen Bezug (= „Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis“) haben. Reagiert der Arbeitgeber nicht auf die Bitte, ein Zeugnis zu erstellen, kann mit höflicher Formulierung eine Frist gesetzt werden, etwa von zwei Wochen.

Wie beanstande ich mein Arbeitszeugnis?


Gefällt dem Arbeitnehmer eine Formulierung im Zeugnis nicht, sollte er zunächst freundlich das Gespräch mit dem Chef suchen. Denn auch für die Vorgesetzten ist es oft nicht einfach, die Zeugnissprache richtig umzusetzen. Vielleicht steckt gar keine böse Absicht hinter einer zweifelhaften Formulierung? Schlägt der Arbeitnehmer Alternativen vor, sollte darauf geachtet werden, dass diese erstens rechtssicher sind und dass das Arbeitszeugnis zweitens danach immer noch wirkt, als sei es “aus einem Guss.” Widersprüche und nicht zueinander passende Sätze sind zu vermeiden. Zeigt sich der Arbeitgeber uneinsichtig, sollte anwaltliche Beratung in Anspruch genommen werden. Sowohl auf Erteilung als auch auf Korrektur eines Zeugnisses können Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht klagen.

Praxistipp: Zeugnis selber verfassen


Manche Arbeitgeber – gerade in kleineren Betrieben – geben den Mitarbeitern die Möglichkeit, ihr Zeugnis selbst zu formulieren. Diese Chance sollte wahrgenommen werden – aber auch hier ist fachkundige Beratung sehr zu empfehlen. Denn allzu leicht sorgen missverständliche Formulierungen für Absagen bei späteren Bewerbungen.