Muss man im Bewerbungsgespräch immer die Wahrheit sagen?

19.09.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (151 mal gelesen)
Muss man im Bewerbungsgespräch immer die Wahrheit sagen? © apops - Fotolia.com
Endlich eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch! Doch viele Jobsuchende plagt im Vorfeld eine Sorge: "Kann ich mit meinem - vielleicht nicht ganz stimmigen - Lebenslauf überhaupt punkten? Wie ehrlich muss ich diesbezüglich sein?"

Ehrlich währt am längsten?

Lisa Löblich ist gelernte Friseurin und auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. In der Tageszeitung hat sie eine Stellenausschreibung eines großen Friseursalons in Köln entdeckt. "Das ist mein Traumjob", denkt sie. Sie reicht ihre Bewerbung ein und wird kurz darauf zum Bewerbungsgespräch eingeladen.
Lisa bereitet sich gewissenhaft darauf vor, doch hinsichtlich einer Sache ist sie unsicher: In ihrem letzten Bewerbungsgespräch bei einem anderen Salon wurde sie nach etwaigen Vorstrafen gefragt. Sie gab an, vor etwa einem Jahr wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden zu sein und bekam die Stelle nicht. Im Nachhinein erzählte ihre Freundin Sabine Schnuppe, dass sie glaube, auf solche Fragen müsse man im Bewerbungsgespräch nicht wahrheitsgemäß antworten. Nun überlegt Lisa, ob sie die Vorstrafe gegebenenfalls verschweigen soll.

Zulässige und unzulässige Fragen
Grundsätzlich führt eine arglistige Täuschung, etwa durch Verschweigen, zu einem Anfechtungsrecht gem. § 123 Abs.1 BGB, so dass sich ein getäuschter Arbeitgeber eigentlich wieder vom geschlossenen Vertrag lösen könnte. Im Hinblick auf Arbeitsverträge gilt jedoch: Es gibt keine Pflicht, ungünstige Umstände in unbedingt ungefragt zu offenbaren. So muss über Vorstrafen oder Schwangerschaft nicht ohne Anlass aufgeklärt werden. Fragen nach bestimmten Umständen sind allerdings zulässig, wenn der Arbeitgeber an der Antwort ein berechtigtes, schutzwürdiges Interesse hat, das das Interesse der Gegenseite an der Geheimhaltung überwiegt.

Die Frage nach einer Vorstrafe oder nach Ermittlungsverfahren ist etwa dann zulässig, wenn diese bei objektiver Betrachtung berechtigt erscheint, unmittelbaren Bezug zum Arbeitsplatz oder zur dafür erforderlichen Eignung des Bewerbers hat, wie das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil vom 6.9.2012 (Az.: 2 AZR 270/11) entschieden hat. Dies ist etwa der Fall, wenn es um eine Stelle als Kassierer und um Vorstrafen mit Vermögensbezug geht. Infolgedessen hätte die Frisörmeisterin in dem oben geschilderten Fall kein Recht darauf, Lisa Löblich nach irgendwelchen Vorstrafen zu fragen. Unrichtige Antworten auf unzulässige Fragen stellen somit keine arglistige Täuschung dar.

Weitere Bereiche, in denen Fragen unzulässig sein können, sind etwa Religion, Krankheiten oder Gewerkschaftszugehörigkeit. Ein Arbeitnehmer ist aber auch bei für ihn ungünstigen Fragen zur Aufklärung verpflichtet, wenn die betreffenden Umstände die Erfüllung von Vertragspflichten von vornherein unmöglich machen würden oder für den Arbeitsplatz von ausschlaggebender Bedeutung sind. Dies gilt etwa für gesundheitliche Beschwerden, die die Leistungsfähigkeit gefährden könnten.