Kündigung im Briefkasten – was nun? Tipps und Hinweise.

21.01.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice (716 mal gelesen)
Kündigung im Briefkasten – was nun? Tipps und Hinweise. © Marco2811 - Fotolia.com
Eine Kündigung stellt einen wichtigen Einschnitt im Leben dar. Sie löst oft auch Existenzängste aus – oder Ärger über den Arbeitgeber. Will man die Kündigung des Arbeitgebers anfechten, ist schnelles Handeln gefragt. Doch auch, wenn man es dabei belassen will, steht man vor rechtlichen Fragen.

Gegen die Kündigung vorgehen
Wer sich gegen eine Kündigung zur Wehr setzen will, muss schnell sein: Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen ab Zugang des Kündigungsschreibens erhoben werden. Wer diese Frist verpasst, hat das Nachsehen – auch wenn die Kündigung rechtlich fehlerhaft war. Diese Klagefrist gilt unabhängig davon, um welche Art von Arbeitsvertrag es sich handelt (zum Beispiel Vollzeit, Teilzeit, Berufsausbildung). Es spielt auch keine Rolle, ob es sich um eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung handelt.

Mündliche Kündigung?
Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Eine rein mündliche Kündigung ist in der Regel nicht wirksam. Dies betonte auch das Bundesarbeitsgericht in Erfurt in einem Fall, bei dem es um die Folgen eines mündlichen Streits zwischen einer Arbeitnehmerin und ihrer Chefin ging (Az. 2 AZR 659/03). Hier zeigte sich das Hauptproblem einer mündlichen Kündigung: Die Parteien stritten über den kompletten Gesprächsinhalt und darüber, wer die Kündigung ausgesprochen hatte. Die Kündigung muss nicht nur schriftlich vorgenommen werden, sondern auch im Original unterschrieben sein – Kopien, eingescannte Unterschriften oder Namenskürzel können zu ihrer Unwirksamkeit führen.

Wer hat gekündigt?
Nach einer Kündigung sollten Sie sich auch fragen, ob diese vom richtigen Absender ausgegangen ist. Bei Konzernkonstruktionen muss das Unternehmen kündigen, mit welchem tatsächlich der Arbeitsvertrag besteht – und nicht irgendein anderes. Im Zweifel kann die Kündigungsschutzklage sich gegen alle in Frage kommenden Unternehmen bzw. Firmierungen richten. Auch die Person, welche die Kündigung unterschrieben hat, muss die richtige sein: War der Betreffende überhaupt dazu berechtigt, Arbeitnehmern zu kündigen? Besaß er eine entsprechende Bevollmächtigung? Wer sich auf solche Formfehler beruft, wird zwar bald eine korrekte Kündigung nachgereicht bekommen, gewinnt jedoch vielleicht wertvolle Zeit für die Vorbereitung einer Klage und verlängert die Kündigungsfrist.

Betriebsrat
Wenn es einen Betriebsrat gibt, muss dieser vor einer Kündigung angehört werden. Zwar heißt dies noch lange nicht, dass der Betriebsrat etwas gegen die Kündigung unternehmen kann. Eine vergessene oder fehlerhafte Anhörung kann aber dazu führen, dass die Kündigung unwirksam ist. Rügen Sie eine fehlerhafte Anhörung des Betriebsrates, muss der Arbeitgeber beweisen, dass diese korrekt durchgeführt wurde.

Fristlose Kündigung
Zu einer fristlosen Kündigung kommt es oft bei schweren Verstößen gegen den Arbeitsvertrag. Eine solche Kündigung muss der Arbeitgeber innerhalb von zwei Wochen vornehmen, nachdem er vom Kündigungsgrund erfahren hat. Also z.B. zwei Wochen, nachdem er einen Diebstahl des Arbeitnehmers im Betrieb aufgedeckt hat. Kündigt er vier Wochen später, ist er zu spät dran. Der Arbeitnehmer muss jedoch auch hier zügig die Kündigungsschutzklage einreichen.

Abfindung
Bei einer betriebsbedingten Kündigung kann der Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung haben. § 1a Kündigungsschutzgesetz macht dies davon abhängig, dass der Arbeitgeber die Kündigung mit dringenden betrieblichen Erfordernissen begründet hat und dass der Arbeitnehmer nicht innerhalb der dreiwöchigen Klagefrist Kündigungsschutzklage erhoben hat. Mit dem Ablauf der Kündigungsfrist haben Sie als Arbeitnehmer dann Anspruch auf eine Abfindung. Allerdings muss der Arbeitgeber im Kündigungsschreiben auch darauf hingewiesen haben, dass es die Abfindung nur bei Verstreichenlassen der Klagefrist gibt. Ihre Höhe liegt bei 0,5 Monatsverdiensten für jedes Jahr, in dem das Arbeitsverhältnis bestand. Zeiträume von mehr als sechs Monaten können dabei auf ein volles Jahr aufgerundet werden.

Sperrzeit beim Arbeitsamt
Die Agentur für Arbeit wird eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen für das Arbeitslosengeld I (ALG I) anordnen, wenn Sie selbst gekündigt haben oder Ihr Chef Ihnen verhaltensbedingt gekündigt hat. Auch ein Aufhebungsvertrag wird oft zum Anlass für eine Sperrzeit genommen. Folge: Sie erhalten bis zu zwölf Wochen lang kein ALG I.

Kündigung per SMS?
Eine Kündigung per SMS ist unwirksam. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Hamm – mit dem Zusatz, dass auch ein Auflösungsvertrag nicht mit wechselseitigen SMS geschlossen werden kann. Es hilft nichts – hier braucht man Papier (Az. 10 Sa 512/07).

Krankheitsbedingte Kündigung trotz Reha?
Sammelt ein Arbeitnehmer viele kranklheitsbedingte Fehlzeiten an, kann ihm krankheitsbedingt gekündigt werden. Dafür muss eine negative Prognose über die weitere Entwicklung gegeben sein. Hat er allerdings eine Reha-Maßnahme absolviert, um wieder arbeitsfähig zu werden, muss erst deren Ergebnis abgewartet werden. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Berlin (Az. 6 Sa 1245/06).


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  4,1/5 (17 Bewertungen)

Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
2007-03-30, Autor Michael Henn (3909 mal gelesen)

Eine Darstellung von Fehlern bei Kündigungen, die der Arbeitgeber vermeiden kann. Arbeitnehmer können bei der Lektüre feststellen, ob ihr Arbeitgeber Fehler gemacht hat. Fehler bei Kündigungen, die man vermeiden kann von Rechtsanwalt/Fachanwalt ...

sternsternsternsternstern  4,0/5 (44 Bewertungen)
2015-03-17, Autor Nima Armin Daryai (638 mal gelesen)

Im Folgenden möchte ich Mietern, denen wegen Mietschulden, daher im Juristendeutsche wegen Zahlungsverzuges mit der Miete, gekündigt wurde, einige Tipps aus der rechtsanwaltlichen Praxis an die Hand geben, wie sie mit einer solchen Kündigung umgehen ...

sternsternsternsternstern  4,1/5 (32 Bewertungen)
2017-11-17, Autor Anton Bernhard Hilbert (104 mal gelesen)

Mit einer bewährten Anwaltsmethode bricht das Berliner Landgericht, nämlich mit der neben der fristlosen Kündigung erklärten ordentlichen Kündigung. Es schützt damit den zahlungssäumigen Mieter, allerdings mit fragwürdiger Begründung. ...

sternsternsternsternstern  4,3/5 (26 Bewertungen)
Rechtssicher kündigen: Hinweise für Arbeitgeber © Bu - Anwalt-Suchservice
2017-03-16, Redaktion Anwalt-Suchservice (181 mal gelesen)

Dieser Rechtstipp gibt wichtige Hinweise für Arbeitgeber, worauf es bei der Kündigung eines Arbeitnehmers ankommt....

sternsternsternsternstern  4,3/5 (18 Bewertungen)
weitere Rechtstipps in der Rubrik Arbeitsrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Arbeitsrecht

Suchen Sie hier mit einem

Rechtsthema, z.B.: Kündigung, Scheidung...
Rechtsgebiet, z.B. Arbeitsrecht, Mietrecht...
Qualifikation, z.B. Fachanwalt für...
Name, z.B. Max Mustermann

Suchen Sie hier mit

einer PLZ, z.B.: 10117, 1224,..
oder
einem Ort, z.B.: Berlin, Hamburg...

Suche in Rechtstipps
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK