Die maximale Arbeitszeit pro Tag und Woche

29.04.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (352 mal gelesen)
Die maximale Arbeitszeit pro Tag und Woche © Bu - Anwalt-Suchservice

Gesetzlich festgelegt ist, wie viele Stunden Arbeitnehmer pro Tag und Woche arbeiten dürfen. Der Gesetzgeber will die Arbeitnehmer schützen. Allerdings gibt es Ausnahmen, die nicht jeder kennt.

Die Pflichten eines Arbeitnehmers ergeben sich aus seinem Arbeitsvertrag. Der Arbeitgeber kann allerdings hinsichtlich der Arbeitsstunden nicht in den Vertrag schreiben, was er will. Denn: Bei den Arbeitszeiten muss er sich an das Arbeitszeitgesetz halten. Aus dessen Regelungen ergibt sich auch, wie viele Überstunden erlaubt sind und ob Besonderheiten für bestimmte Branchen existieren.

Was gilt eigentlich als Arbeitszeit?


Damit ist grundsätzlich die Zeit von Anfang bis zum Ende der Arbeit gemeint, abzüglich der Pausen. Der Weg zur Arbeit wird normalerweise nicht mitgezählt. Zeiten, die Arbeitnehmer für das Umziehen benötigen, sind nur dann Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Arbeitskleidung vorschreibt und diese entweder nicht Zuhause angezogen werden kann oder es dem Arbeitnehmer nicht zugemutet werden kann, damit außerhalb der Firma herumzulaufen, da er mit seiner Kleidung öffentlich Auskunft über seinen Beruf geben würde.
Dienstreisen sind Arbeitszeit, solange gearbeitet wird. Die Anreisezeit gehört nur zur Arbeitszeit, wenn sie per Auto stattfindet und der Arbeitnehmer angewiesen wird, selbst zu fahren. Kann sich der Mitarbeiter auf Dienstreise in öffentlichen Verkehrsmitteln entspannen und hat er keine Arbeitspflichten etwa zur Vorbereitung eines Termins, gilt die Anreise nicht als Arbeitszeit. Dies gilt übrigens auch, wenn der Rest des Abteils mit lauten Mitreisenden besetzt und keine Ruhe möglich ist.

Was regelt das Arbeitszeitgesetz?


Das Arbeitszeitgesetz soll die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer gewährleisten. Unter anderem regelt es, wie viele Stunden pro Tag und Woche die Beschäftigten höchstens arbeiten dürfen, wie viele Pausen sie machen müssen und wann Nacht- und Schichtarbeit zulässig sind. Darüber hinaus schreibt es vor, dass an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich die Arbeit zu ruhen hat.

Wie viele Stunden dürfen Arbeitnehmer pro Werktag arbeiten?


An einem Werktag dürfen Arbeitnehmer höchstens acht Stunden arbeiten. Allerdings kann die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden verlängert werden. Voraussetzung dafür ist, dass innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt nicht mehr als acht Stunden täglich gearbeitet wird. Die Ruhepausen müssen im Voraus festgelegt sein. Nach mindestens sechs Stunden muss eine Ruhepause gewährt werden. Beschäftigte, die zwischen sechs und neun Stunden täglich arbeiten, haben Anspruch auf 30 Minuten Pause. Bei mehr als neun Stunden Arbeitszeit werden es 45 Minuten. Es ist möglich, diese Pausen so aufzuteilen, dass der Arbeitnehmer mehrmals mindestens 15 Minuten Pause hat.

Wie viele Stunden pro Woche sind erlaubt?


Pro Woche dürfen Arbeitnehmer maximal 48 Stunden arbeiten, genauer gesagt an jedem Werktag einschließlich der Samstage acht Stunden. An Sonntagen darf nicht gearbeitet werden. Pro Jahr dürfen Beschäftigte 48 Wochen lang arbeiten.

Wann gilt die acht-Stunden-Regel nicht?


Die tägliche Arbeitszeit darf wie erwähnt ausnahmsweise auf zehn Stunden ausgedehnt werden, wenn innerhalb von sechs Monaten eine durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden eingehalten wird. Auch können in einem Tarifvertrag oder mit Hilfe einer darauf beruhenden Betriebsvereinbarung in bestimmten Fällen Arbeitszeiten über zehn Stunden pro Tag festgelegt werden. Dies gilt speziell für Branchen, in denen es oft Bereitschaftsdienst gibt. Auch in der Landwirtschaft können solche Ausnahmen auf Basis eines Tarifvertrages vorkommen.

Was gilt für Bereitschaftsdienste?


Zu unterscheiden ist hier zwischen Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst. Bei der Rufbereitschaft bleibt der Mitarbeiter zu Hause, muss aber auf Abruf in den Betrieb kommen. Rufbereitschaft wird nicht als Arbeitszeit angesehen, solange nicht tatsächlich gearbeitet wird.
Anders ist es jedoch bei Bereitschaftszeiten, wie sie etwa bei Krankenhausärzten oder Bahnpersonal häufig vorkommen. Hier befindet sich der Arbeitnehmer während der Bereitschaftszeit im Betrieb. Solche Zeiten sind als Arbeitszeit anzusehen. Die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes sind hier anwendbar. Es kann jedoch eine abweichende Bezahlung geben. Die werktägliche Arbeitszeit kann mit Hilfe eines Tarifvertrages oder einer Betriebsvereinbarung auch ohne Ausgleich auf über acht Stunden ausgedehnt werden, wenn in der Arbeitszeit regelmäßig und in größerem Umfang Bereitschaftsdienst anfällt und wenn die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht in Gefahr ist.

Was muss man über die Ruhezeit wissen?


Nach der täglichen Arbeitszeit muss jeder Arbeitnehmer eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden haben, bevor er wieder zur Arbeit antreten muss. In manchen Branchen – etwa Krankenhäuser, Pflegeheime, Gaststätten, Landwirtschaft – kann die Ruhezeit um bis zu eine Stunde verkürzt werden. Dies muss dann allerdings innerhalb von vier Wochen wieder ausgeglichen werden.

Welche Ausnahmen gibt es an Sonn- und Feiertagen?


Grundsätzlich darf an Sonn- und Feiertagen nicht gearbeitet werden. In Betrieben mit Schichtarbeit und regelmäßiger Tag- und Nachtschicht kann jedoch der Beginn oder das Ende der Sonn- und Feiertagsruhe um bis zu sechs Stunden vor- oder zurückverlegt werden. Die Voraussetzung ist, dass für die auf den Beginn der Ruhezeit folgenden 24 Stunden der Betrieb ruht.
Für Kraftfahrer und Beifahrer gilt: Der Arbeitgeber darf den Beginn der 24stündigen Sonn- und Feiertagsruhe um bis zu zwei Stunden vorziehen. Weitere Ausnahmen bestehen für bestimmte Branchen, wie beispielsweise Rettungsdienst und Feuerwehr.

Welche Folgen hat ein Verstoß für den Arbeitgeber?


Wenn ein Arbeitsvertrag unzulässig hohe Stundenzahlen vorschreibt, sind die jeweiligen Klauseln unwirksam. In diesem Fall gilt die gesetzliche Höchststundenzahl. Bei unzulässig hohen Arbeitszeiten haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, die zuständige Aufsichtsbehörde zu informieren.
Die Beschäftigung von Arbeitnehmern über zehn Stunden am Tag stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Diese kann ein Bußgeld bis 15.000 Euro zur Folge haben. Außerdem können Arbeitnehmer bei unzulässig geleisteter Mehrarbeit Anspruch auf eine Überstundenvergütung haben.

Praxistipp


Arbeitnehmer sollten darauf achten, dass ihnen keine unzulässigen Arbeitszeiten zugemutet werden. Besteht der Verdacht auf eine unzulässig hohe Arbeitszeit, kann der Betriebsrat angesprochen werden. Auch ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann klären, ob wirklich ein Verstoß gegen gesetzliche Regelungen vorliegt – und den Arbeitnehmer im Streit mit dem Betrieb dann auch wirkungsvoll vertreten.

(Bu)



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