Kann man einen Arbeitsvertrag mündlich kündigen?

21.08.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (87 mal gelesen)
Kann man einen Arbeitsvertrag mündlich kündigen? © Rh - Anwalt-Suchservice

Schnell ist es passiert: „Ich kündige!“ ruft der Arbeitnehmer im Zorn. Aber: Kann man überhaupt mündlich kündigen? Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten müssen, wenn das „K-Wort“ gefallen ist.

An sich ist für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses die Schriftform vorgeschrieben. Es kommt jedoch trotzdem ab und zu vor, dass jemand im Zorn einen Arbeitsvertrag mündlich kündigt, meist auch noch fristlos. Trotz der gesetzlichen Regelung sollte man sich nicht darauf verlassen, dass eine solche Kündigung nicht gilt. Denn einzelne Gerichte haben bereits eine mündliche Kündigung als wirksam angesehen.

Was muss man zum Arbeitsvertrag wissen?


Ein Arbeitsvertrag ist ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in dem sich der Arbeitnehmer dazu verpflichtet, weisungsabhängig eine bestimmte Tätigkeit für den Arbeitgeber zu erbringen. Dieser wiederum muss ihm die vereinbarte Vergütung bezahlen und ist auch dazu verpflichtet, ihn zu beschäftigen. Es gibt befristete und unbefristete Arbeitsverträge. Ein durch einen Arbeitsvertrag begründetes Arbeitsverhältnis kann nur durch eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag beendet werden (oder durch das Erreichen des Rentenalters). Das Arbeitsrecht regelt die Einzelheiten des Arbeitsvertrages in § 611a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Was sagt das Gesetz zur Form der Kündigung?


§ 623 BGB legt eindeutig fest, dass eine Kündigung nur dann wirksam ist, wenn sie in Schriftform erfolgt. Damit ist Papier mit einer eigenhändigen Unterschrift gemeint. Die elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen, es gibt also zum Beispiel keine Kündigung per SMS oder E-Mail.

Mündliche Kündigung durch den Arbeitgeber: Ist sie wirksam?


In aller Regel ist eine mündliche Kündigung durch den Arbeitgeber nicht wirksam, da sie gegen die Formvorschrift des § 623 BGB verstößt. Es gibt jedoch Ausnahmen (siehe unten).

Hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung?


Grundsätzlich ja. Es sind aber Fälle denkbar, in denen sein Anspruch auf Weiterbeschäftigung erlischt. Akzeptiert der Arbeitnehmer die mündliche Kündigung, geht nach Hause und wartet mehrere Monate lang mit rechtlichen Schritten, hat er sein Recht auf Weiterbeschäftigung verwirkt. Hier ist es wichtig, § 4 des Kündigungsschutzgesetzes zu kennen. Nach dieser Regelung hat der Arbeitnehmer nach Erhalt einer schriftlichen Kündigung drei Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage zu erheben. Zwar gibt es hier nun gerade keine schriftliche Kündigung, die Gerichte ziehen aber trotzdem unter Umständen diese Frist heran. So wurde auch die Kündigungsschutzklage eines Berliner Bauarbeiters abgewiesen, der erst nach sieben Monaten Klage erhoben hatte (LAG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 16.8.2010, Az. 25 Ta 1628/10). Der Mann verlor also seine Arbeit, obwohl ihm nur mündlich und damit unwirksam gekündigt worden war.

Was kann ich als Arbeitnehmer tun, wenn mir mein Chef mündlich kündigt?


Sofern nicht ernsthafte Anzeichen darauf hindeuten, dass der Chef es nicht so gemeint hat, sollte der Arbeitnehmer die Arbeit nicht einfach einstellen und abwarten, ob etwas Schriftliches kommt. Es ist ratsam, innerhalb von drei Wochen nach der mündlichen Kündigung Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht zu erheben.

Mündliche Kündigung durch den Arbeitnehmer: Ist sie wirksam?


Grundsätzlich muss auch der Arbeitnehmer schriftlich kündigen und eine mündliche Kündigung ist unwirksam. Es kann jedoch Ausnahmefälle geben, in denen auch eine mündliche Kündigung wirksam wird. So ging es in einem Fall vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz um eine Friseurin, die im Streit mit ihrer Chefin am Telefon mehrfach vehement fristlos gekündigt hatte. Als die Arbeitgeberin sie darauf hinwies, dass die Feiertage vor der Tür stünden und sie doch die Kündigungsfrist einhalten sollte, lehnte sie dies in deutlichen Worten ab und blieb zu Hause. Die Arbeitgeberin kündigte ihr daraufhin schriftlich fristlos – wogegen nun die Arbeitnehmerin Kündigungsschutzklage einreichte. Das Gericht entschied hier zu Gunsten der Arbeitgeberin. Die Friseurin habe sich widersprüchlich verhalten, indem sie zuerst selbst kündigte und sich dann auf die formelle Unwirksamkeit ihrer eigenen Kündigung berief. Der Widerspruch ginge zu ihren eigenen Lasten. Um die Kündigung der Arbeitgeberin ging es im Verfahren gar nicht mehr, da der Arbeitsvertrag nach Meinung des Gerichts schon durch die mündliche Kündigung der Friseurin beendet worden war (Urteil vom 8.2.2012, Az. 8 Sa 318/11). Dieses Urteil ist allerdings ein Einzelfall.

Was kann der Arbeitgeber tun, wenn der Arbeitnehmer eine mündliche Kündigung ausgesprochen hat?


Für den Arbeitgeber bietet es sich an, zunächst das Gespräch zu suchen, um festzustellen, ob die mündliche Kündigung ernst gemeint war. Der Arbeitnehmer sollte darauf hingewiesen werden, dass eine mündliche Kündigung grundsätzlich nicht wirksam ist und dass diese schriftlich – und unter Einhaltung der Kündigungsfrist – stattfinden sollte. Verweigert der Arbeitnehmer die Kommunikation oder besteht weiter auf seiner Kündigung, sollte der Arbeitgeber zur Sicherheit selbst schriftlich fristlos kündigen.

Welche Form der Kündigung wäre für den Arbeitnehmer besser?


Von einer mündlichen Kündigung ist abzuraten. Die Kündigung eines Arbeitsvertrages ist ein ernster Schritt, der gut überlegt werden sollte. Genau aus diesem Grund gibt es übrigens die gesetzliche Formvorschrift. Wie das oben genannte Urteil zeigt, sehen die Gerichte jedoch eine mündliche Kündigung nicht in jedem Fall als unwirksam an. Arbeitnehmer sollten also auch im Streit mit dem Chef die Nerven behalten, das „K-Wort“ vermeiden und nur nach reiflicher Überlegung und schriftlich kündigen. Dabei sollten sie immer auch daran denken, dass eine vom Arbeitnehmer selbst verursachte oder vorgenommene Kündigung zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führt.


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