Sommerhitze - Gibt es eine Kleiderordnung für Büro und Schule?

13.08.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (631 mal gelesen)
Büro,Thermometer,Arbeitsplatz Sommerhitze - Wie locker darf man in Büro und Schule gekleidet sein? © Bu - Anwalt-Suchservice

Der Sommer 2020 war bisher eher unterkühlt. Seit zwei Wochen macht er seinem Namen mit Temperarturen über 30 Grad aber alle Ehre. Da kommen auch Schüler und Arbeitnehmer ordentlich ins Schwitzen.

Dürfen Schüler wegen allzu luftiger Kleidung nach Hause geschickt werden? Sicher gibt es Grenzen, was die Kleidung angeht. Und auch Arbeitnehmer sollten sich im Büro nicht allzu offenherzig anziehen. Hier kann Schaden für das Arbeitsverhältnis drohen.

Darf der Chef eine Kleiderordnung vorgeben?


Grundsätzlich ist Arbeitnehmern jede Kleidung erlaubt, die ihre Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt und die auch ihre Kollegen nicht bei der Arbeit behindert – oder davon ablenkt. Dies leitet man aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers ab. Aber: Wenn der Chef nachvollziehbare Gründe hat, seinen Arbeitnehmern einen bestimmten Dresscode aufzuerlegen, kann er von seinem Direktionsrecht Gebrauch machen. Er darf dann entsprechende Vorgaben machen. Hat er einen berechtigten Grund für eine derartige Anordnung, haben sich die Angestellten auch daran zu halten.

Manchmal hat der Betrieb allerdings auch selbst gar keine Wahl: Geht es um das Thema Arbeitssicherheit, schreiben Gesetze und die Berufsgenossenschaft ihm vor, was Sache ist. So kann zum Beispiel bestimmte Schutzkleidung vorgeschrieben sein.

Oft gibt es jedoch auch interne Kleidungsregeln, die den Zweck haben, für ein einheitliches Aussehen der Mitarbeiter zu sorgen. Dies betrifft zum Beispiel die Uniformen von Sicherheitsdiensten oder Beschäftigten in der Systemgastronomie. Oder das Ziel ist, ein zum Image des Unternehmens passendes seriöses Auftreten zu gewährleisten – beispielsweise durch formelle Kleidung im Bank- und Versicherungswesen. Soll der Dresscode nur das allgemeine Erscheinungsbild des Unternehmens fördern, darf der Betriebsrat dabei mitreden.

Was darf man anziehen?


Wenn es Bekleidungsvorschriften gibt, sollten Arbeitnehmer diese auch bei Hitze beachten. Tun sie dies nicht, kann eine Abmahnung die Folge sein – insbesondere, wenn sich beispielsweise ein Kunde beschwert oder das falsche Foto bei Facebook landet. Im Sommer haben viele Unternehmen sogar besondere Dresscodes eingeführt, um der Hitze Rechnung zu tragen. Eine sinnvolle Maßnahme, denn kälter werden die Sommer in Zukunft sicher nicht. Aber auch, wenn es keine besonderen Vorschriften gibt, gilt: Arbeitnehmer sollten sich trotz Hitze nicht zu offenherzig anziehen. Hier gibt es durchaus so etwas wie einen ungeschriebenen „Büro-Knigge“.

Sind Flip-Flops und Minirock im Büro erlaubt?


Gibt der Chef nicht vor, was bei Hitze getragen werden darf, richtet sich dies nach der Branche, dem Arbeitsplatz und der Position des Betreffenden im Unternehmen. So gelten besonders strenge Regeln in Branchen, in denen besondere Seriosität vermittelt werden soll, wie etwa in Banken und Versicherungen. Arbeitnehmer mit Kontakt zu Kunden müssen besonders auf ihr Äußeres achten. Und: Je höher ein Arbeitnehmer in der Betriebs-Hierarchie steht, desto weniger kann er sich die falsche Kleidung erlauben.
Einige Faustregeln für das Büro: Tragen die Herren in der Firma üblicherweise Krawatte, gehört ein Langarmhemd unbedingt dazu. Immerhin darf man die Ärmel hochkrempeln. Tabu sind Miniröcke bei Damen. Für sie gilt ein Rock mit Saum „eine Handbreit überm Knie“ oder – in besonders seriöser Umgebung – knieumspielend als angemessen. Tabu sind auch Shorts, dies gilt für Damen und Herren.
Bei den Herren wiederum werden offene Schuhe und Sandalen als unschick(-lich) angesehen. Bei den Damen sieht man dies etwas lockerer. Allerdings sollten bei diesen die Schultern bedeckt sein – also keine Spaghettiträger. Als nicht angemessen gelte auch allzu tiefe Ausschnitte. Ein No-Go sind in jedem Fall Flip-Flops. Wer sich zu offenherzig kleidet, kann sich damit unter Umständen seine Chancen auf die nächste Beförderung vermasseln – und merkt es nicht einmal.

Droht bei Missachtung von Kleidervorschriften die Kündigung?


Grundsätzlich ist dies tatsächlich möglich, wenn es auch selten vorkommt. Zum Beispiel bestätigte das Arbeitsgericht Cottbus einem Möbelhaus die Kündigung einer Arbeitnehmerin, die entgegen den Weisungen des Arbeitgebers ihre eigene Kleidung statt der vorgeschriebenen einheitlichen Bekleidung angezogen hatte. Wichtig: In solchen Fällen muss zuerst eine erfolglose Abmahnung stattgefunden haben, damit eine verhaltensbedingte Kündigung möglich ist (Az. 6 Ca 1554/11).

In der Schule - zu sexy für den Unterricht?


Auch in der Schule ist die Frage nach dem richtigen Sommer-Outfit gar nicht so unwichtig. Es gibt dazu allerdings keine gesetzlichen Regeln oder ministeriellen Erlasse. Für Schüler gilt wie für Arbeitnehmer auch das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das auch eine freie Kleiderwahl einschließt. Aber: Wenn allzu freizügige Outfits den Schulbetrieb stören, kann die Schule dagegen einschreiten. Schulen können selbst in ihrer Schulordnung entsprechende Bestimmungen festlegen. In der Regel muss eine Schulordnung von einer Schulkonferenz beschlossen werden. Bei dieser haben auch die Vertreter von Eltern und Schülern mitzureden.

Aus den Bundesländern Baden-Württemberg und Niedersachsen sind einzelne Fälle bekannt, in denen von einer Schulleitung ein Verbot aufreizender Kleidung im Sommer verhängt wurde. Dies bezog sich hauptsächlich auf Hotpants und bauchfreie Tops bei Mädchen, aber auch auf ärmellose Shirts bei Jungen. Dort erhalten die betreffenden Schülerinnen und Schüler bei Nichtbeachtung des Dresscodes ein T-Shirt in Übergröße, das sie über der Kleidung tragen müssen. Auch in NRW wollen Schulen in letzter Zeit gegen allzu leichte Kleidung vorgehen.
Eine katholische Schule in Hamburg hat ebenso Regeln gegen aufreizende Sommerkleidung aufgestellt. Diese lässt jedoch ihre Lehrer bei Zuwiderhandlungen nur höflich auf die Schulordnung hinweisen. Zu Gerichtsverfahren haben solche Fragen in Deutschland soweit bekannt noch nicht geführt.

Kann man der Schule verwiesen werden bei zu knapper Kleidung?


Wenn sich ein Schüler daneben benimmt, kann die Schule darauf mit Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen reagieren. Die Schulgesetze der Bundesländer regeln im Einzelnen, was darunter zu verstehen ist. Ein Schulverweis stellt eine Ordnungsmaßnahme dar, die in der Regel nur bei schwerwiegendem Fehlverhalten oder einer nachhaltigen Störung des Unterrichts verhängt werden kann. Dies wird bei unangemessener Kleidung wohl eher nicht der Fall sein. Wie gesagt: Gerichtsverfahren zum Thema „zu knappe Kleidung in der Schule“ sind nicht bekannt.

Können Eltern belangt werden?


Selbst bei groben Verstößen wie Schlägereien, Erpressungsversuchen oder Waffenbesitz ist in den Schulordnungen außer Ordnungsmaßnahmen gegen den betreffenden Schüler (und, im Falle von Straftaten, einer Anzeige bei der Polizei) meist nur eine „Mitteilung an die Eltern“ vorgesehen. Allerdings kann es trotzdem sinnvoll sein, wenn Eltern mit Schulkindern rechtzeitig über das Thema Kleidung reden. Denn Kleidung ist immer auch eine Botschaft an die Mitmenschen.

Praxistipp


Natürliche Materialien wie Leinen, Baumwolle oder Seide sind atmungsaktiv und kühlen, während Kunstfasern wie Nylon oder Polyester eher das Schwitzen fördern. Helle Farben reflektieren das Licht und sind angenehmer zu tragen als dunkle Töne, die eher die Wärme speichern. Wer als Arbeitnehmer wegen seiner Kleidung mit dem Chef aneinander gerät, sollte sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten lassen.

(Wk)



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