Die Steuererklärung – wer muss sie abgeben?

11.09.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (587 mal gelesen)
Die Steuererklärung – wer muss sie abgeben?
Fast keine Tätigkeit wird so gerne aufgeschoben wie die, eine Steuererklärung auszufüllen. Da müssen Belege sortiert und Formulare ausgefüllt werden, und häufig droht die Auseinandersetzung mit mysteriösen Fachbegriffen. Die Möglichkeit der elektronischen Steuererklärung ändert daran wenig. Und oft besteht Unsicherheit, ob man überhaupt eine Erklärung abgeben muss – und wann.

Nichtselbstständige bzw. Arbeitnehmer
Wer für einen einzigen Arbeitgeber festangestellt arbeitet und keine weiteren Einkünfte hat, ist grundsätzlich nicht zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung verpflichtet: Der Arbeitgeber leitet die Lohnsteuer ans Finanzamt weiter. Freiwillig kann eine Erklärung allerdings abgegeben werden. Dies lohnt sich z.B., wenn Sie bestimmte hohe Ausgaben von der Steuer absetzen können.

Werbungskosten und andere Ausgaben für Arbeitnehmer
Als Arbeitnehmer haben Sie automatisch einen sogenannten Werbungskostenpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr. Werbungskosten sind die Kosten, die anfallen, damit Sie ein Einkommen „erwerben“ können – z.B. berufsbedingte Reisekosten, Fortbildungskosten, Kosten für Fachbücher und berufsbedingte Umzüge. Übersteigen die Kosten für solche Dinge den Betrag von 1.000 Euro, sollten Sie eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Absetzen können Sie allerdings auch erhöhte Sonderausgaben etwa im Rahmen einer Ausbildung oder außergewöhnliche Belastungen z.B. durch eine nicht von der Krankenkasse bezahlte Heilbehandlung oder einen Überschwemmungsschaden nach einem Hochwasser. Wollen Sie solche Kosten steuermindernd geltend machen, empfiehlt sich die Abgabe einer Steuererklärung auch dann, wenn Sie als Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet wären.

Nebeneinkünfte
Sobald Sie neben einem Job mit Lohnsteuerabzug weitere Einnahmen erzielen, die über 410 Euro im Monat betragen, müssen Sie eine Einkommenssteuererklärung abgeben. Das können z.B. Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit sein oder auch aus der Vermietung einer Wohnung. Dies hat nichts mit dem Thema „450-Euro-Job“ zu tun.

Einkommensersatzleistungen
Haben Sie als Arbeitnehmer sogenannte Einkommensersatzleistungen erhalten, die den Betrag von 410 Euro im Jahr übersteigen, sind Sie zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung mit den entsprechenden Angaben verpflichtet. Denn diese Leistungen werden zwar nicht besteuert, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt und haben damit Einfluß darauf, wieviel Steuern Sie insgesamt zu zahlen haben. Einkommensersatzleistungen sind z.B.: Arbeitslosengeld, Elterngeld, Mutterschaftsgeld, Kurzarbeitergeld, Krankengeld, Aufstockungsbeträge nach dem Altersteilzeitgesetz oder Insolvenzgeld. Nicht dazu gehört zum Beispiel das BAFöG. Ein Verschweigen solcher Angaben kann ins Auge gehen, da die entsprechenden Leistungsträger ihre Zahlungen ebenfalls an die Finanzverwaltung melden.

Mehrere Jobs
Arbeiten Sie bei mehreren Arbeitgebern, die für Sie Lohnsteuer abführen? Auch dann müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. „Minijobs“ sind davon allerdings nicht betroffen. Auch wenn Sie von Freibeträgen profitieren wollen, ist eine Erklärung nötig. Ebenfalls müssen Sie eine Steuererklärung abgeben, wenn Sie verheiratet sind und einer von Ihnen die Steuerklasse V oder VI hat.

Selbstständige
Wenn Sie sich selbstständig machen, müssen Sie sich in jedem Fall beim Finanzamt anmelden. Dieses wird dann von Ihnen eine Schätzung Ihrer voraussichtlichen Einkünfte verlangen und Sie dementsprechend zu regelmäßigen Einkommenssteuer-Vorauszahlungen heranziehen. Diese können bei geringeren Einkünften auf Antrag angepasst werden. Einkommenssteuer wird erst dann fällig, wenn Ihre Einnahmen abzüglich Werbungskosten, Betriebsausgaben etc. höher sind als der Grundfreibetrag. Dieser beträgt im Jahr 2014 für Alleinstehende 8.354 Euro. Eine Einkommenssteuererklärung müssen Sie bei einer selbstständigen Tätigkeit generell abgeben.

Weitere Steuerarten
Das hier Gesagte gilt nur für die Einkommenssteuer. Als Selbstständiger müssen Sie sich auch mit Themen wie z.B. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Lohnsteuer für eigene Arbeitnehmer beschäftigen. Hier kann bei Fragen ein Fachanwalt für Steuerrecht weiterhelfen.

Auf Nachfrage
Generell müssen Sie eine Einkommenssteuererklärung auch immer dann abgeben, wenn das Finanzamt dies verlangt.

Abgabefrist
Sind Sie nach den beschriebenen Regeln zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung verpflichtet, muss diese bis zum 31. Mai des Folgejahres abgegeben werden. Auf Antrag gewährt das Finanzamt eine Fristverlängerung, wenn Ihnen z.B. noch Unterlagen fehlen. Ignorieren Sie diese Frist, können Säumniszuschläge verlangt werden – schlimmstenfalls auf Basis einer Schätzung Ihrer Einnahmen durch das Finanzamt. Wird Ihre Steuererklärung vom Steuerberater angefertigt, kann dieser sich bis 31.12. des Folgejahres Zeit lassen.