Verletzungen bei privaten Telefonaten sind kein Arbeitsunfall!

09.10.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (167 mal gelesen)
Verletzungen bei privaten Telefonaten sind kein Arbeitsunfall! © Andrew Barker - Fotolia.com
Während der Arbeit und auch auf dem Weg zur Arbeit sind Arbeitnehmer gesetzlich unfallversichert. Allerdings: Nicht alles, was man im Betrieb macht, fällt unter diese Versicherung. Denn streng genommen sind nur Tätigkeiten versichert, die in einerm Zusammenhang mit der im Arbeitsvertrag vereinbarten Leistung stehen.

Dies musste auch ein Lagerarbeiter aus Wiesbaden erfahren, der an einem Tisch in einer Halle Ware kontrollierte. Während der Arbeitszeit rief seine Frau ihn auf dem Handy an. Allerdings war es in der Lagerhalle recht laut und die Verbindung war schlecht. Also ging er nach draußen auf eine Laderampe, um sie zurückzurufen. Als er das Gespräch nach etwa drei Minuten beendet hatte, kehrte er zurück – und blieb an der Laderampe an einem Begrenzungswinkel hängen. Dabei verdrehte er sich das Knie, Folge war ein Kreuzbandriss. Der Arbeiter sah dies als Arbeitsunfall an und meldete diesen der gesetzlichen Unfallversicherung. Aber deren Träger – die Berufsgenossenschaft – wies jede finanzielle Unterstützung für die Heilbehandlung weit von sich.

Die Berufsgenossenschaft war nämlich der Meinung, dass hier kein Arbeitsunfall vorlag. Dem schloss sich auch das Hessische Landessozialgericht an. Unfallversichert seien nur Unfälle, die infolge einer versicherten Tätigkeit stattfänden. Der Unfallversicherungsschutz werde durch private, eigenwirtschaftliche Verrichtungen unterbrochen – wie etwa Einkaufen oder Essen gehen. Er bleibe nur bei zeitlich oder räumlich ganz unbedeutenden Unterbrechungen der Arbeit bestehen. Das dreiminütige Telefonat in 20 Metern Entfernung zum Arbeitsplatz sah das Gericht aber nicht mehr als unbedeutend an. Der Unfall sei auf dem Rückweg von einer privaten Verrichtung und damit nicht bei einer versicherten Tätigkeit passiert. Die gesetzliche Unfallversicherung musste hier also nicht zahlen.

Fazit: Bei Telefonaten am Arbeitsplatz ist das Risiko einer wütenden Ehefrau gegen das eines nicht versicherten Unfalls abzuwägen.

Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 16. Oktober 2013, Az. L 3 U 33/11