Arzthaftung: Thrombose behandlungsfehlerhaft nicht erkannt

11.01.2019, Autor: Herr Christoph Kleinherne / Lesedauer ca. 2 Min. (35 mal gelesen)
Bei Verdacht auf eine Thrombose müssen weitere Befunde erhoben werden, um diese positiv auszuschließen.

Eine akute tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose (TVT), also die partielle oder vollständige Verlegung der Leit- und/oder Muskelvenen durch Blutgerinnsel, ist dringend behandlungsbedürftig, weil die Blutgerinnsel bei fortbestehendem Risiko wachsen und in die Lunge „embolisieren“ können.

Neben dem daraus resultierenden lebensbedrohlichen Risiko der Lungenembolie kann sich ein „postthrombotisches Syndrom“ ausbilden, also eine dauerhafte Schädigung am tiefen Venensystem.

Eine frühzeitige Diagnose und Therapie der TVT ist daher immens wichtig, weil hierdurch das Wachstum des Thrombus reduziert und die Gefahr von Lungenembolien und die Schwere des „postthrombotisches Syndroms“ reduziert werden können.

In der Praxis kommt es immer wieder zu Fällen, in denen vom Behandler eine TVT übersehen bzw. nicht (rechtzeitig) diagnostiziert worden ist. Nicht selten wird dabei die TVT als „kleiner Muskelfaserriss“ fehlinterpretiert. Es stellt sich dann die Frage, ob dies haftungsrechtlich relevant ist, dem Behandler also ein zum Schadensersatz verpflichtender Fehler zum Vorwurf gemacht werden kann:

Ohne Anhaltspunkte auf ein „trombothisches Geschehen“ wird ein dahingehender Behandlungsfehlervorwurf selbstverständlich kaum zu führen sein. Anders sieht es hingegen aus, wenn vom Patienten typische, auf eine TVT hindeutende Symptome (bspw. Schmerz/Verhärtung entlang der tiefen Venen) geschildert werden, weitere Anzeichen (bspw. Schwellung) vorhanden sind oder sich aus der Vorgeschichte (bspw. bereits vorangegangene Thrombose, längere Immobilisation der Beine) Verdachtsmomente ergeben.

Es entspricht dann dem ärztlichen Standard, weitere Befunde zu erheben, um eine TVT positiv auszuschließen, und zwar – neben weiteren Maßnahmen – insbesondere die Untersuchung mittels Duplex-Sonographie. Werden derartige medizinisch gebotene Befunde nicht erhoben, kann der Behandler wegen eines „Befunderhebungsfehlers“ (https://www.anwalt-suchservice.de/rechtstipps/arzthaftung_umkehr_der_beweislast_bei_einem_befunderhebungsfehler_24468.html) in Anspruch genommen werden.

Weil in der ärztlichen Dokumentation nicht selten Eintragungen zu den vom Patienten geschilderten Symptomen oder dessen Angaben zur Vorgeschichte fehlen, empfiehlt es sich dringend, hierüber ein „Gedächtnisprotokoll“ zu fertigen, auf welches der Patient dann bspw. anlässlich einer gerichtlichen Anhörung zurückgreifen kann.


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  4,5/5 (2 Bewertungen)

Autor dieses Rechtstipps

Rechtsanwalt
Christoph Kleinherne

Dollinger Partnerschaft Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte

   (2 Bewertungen)
Weitere Rechtstipps (19)

Anschrift
Maistraße 37
80337 München
DEUTSCHLAND

Telefon: 089-59943830

Kontakt

Bitte verwenden Sie zur Kontaktaufnahme bevorzugt dieses Formular. Vielen Dank!



captcha



zum Kanzleiprofil von
Rechtsanwalt Christoph Kleinherne
Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
Autor: RA Dr. Thomas Engels, LL.M., LEXEA Rechtsanwälte, Köln – www.lexea.de
Aus: IT-Rechtsberater, Heft 12/2016

Das Impressum einer Internetseite muss Angaben enthalten, die dem Verbraucher eine schnelle Kontaktaufnahme und effiziente Kommunikation mit dem Unternehmer ermöglichen. Ist dies der Fall, bspw. durch Rückrufoption, E-Mail, Chatmöglichkeit, ist die...

2013-01-30, Amtsgericht Bonn AZ 110 C 128/11; mitgeteilt von RA Michael Zach, Mönchengladbach (154 mal gelesen)

Die Hälfte aller Jungen und Mädchen landet laut Statistik des Ratgebers der Stiftung Warentest "Kieferorthopädie" irgendwann einmal beim Kieferorthopäden. Auch die Kieferorthopädie bei Erwachsenen erfährt in den letzten Jahren einen ungeahnten...

Arzttermin abgesagt: Darf der Arzt Honorar verlangen? © Ma - Anwalt-Suchservice
2018-05-14 15:27:40.0, Redaktion Anwalt-Suchservice (744 mal gelesen)

Erscheint ein Patient nicht zum vereinbarten Termin, ist dies für jede Arztpraxis ein Ärgernis. Allzu schnell gerät die sorgfältige Zeitplanung durcheinander. Oft kann der Termin nicht kurzfristig anderweitig vergeben werden....

Mängel an der Zahnprothese - Was tun? © Rh - Anwalt-Suchservice
2018-05-24, Anwalt-Suchservice (123 mal gelesen)

Zahnersatz ist eine kostspielige Angelegenheit. Was tun, wenn die vom Zahnarzt eingesetzte Krone, Brücke oder Zahnprothese schmerzt, wackelt oder gar bricht? Patienten haben auch in solchen Fällen Rechte. ...

weitere Rechtstipps in der Rubrik Medizinrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Medizinrecht

Autor dieses Rechtstipps

Rechtsanwalt
Christoph Kleinherne

Dollinger Partnerschaft Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte

   (2 Bewertungen)
Weitere Rechtstipps (19)

Anschrift
Maistraße 37
80337 München
DEUTSCHLAND

Telefon: 089-59943830

Kontakt

Bitte verwenden Sie zur Kontaktaufnahme bevorzugt dieses Formular. Vielen Dank!



captcha



zum Kanzleiprofil von
Rechtsanwalt Christoph Kleinherne
Suche in Rechtstipps
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK