Unbezahlter Brotaufstrich als Kündigungsgrund?

04.02.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 1 Min. (209 mal gelesen)
Unbezahlter Brotaufstrich als Kündigungsgrund? © shockfactor.de - Fotolia.com
Wer seinen Arbeitgeber bestiehlt, schädigt nachhaltig das Vertrauensverhältnis. Dies muss sich der Chef nicht gefallen lassen. Auf den Wert des geklauten Betriebseigentums kommt es dabei nicht an.

So führten vor einigen Jahren sechs übriggebliebene Maultaschen zur Kündigung der Mitarbeiterin eines Altenheims. Das Arbeitsgericht Lörrach gab dem Arbeitgeber Recht und bestätigte die Kündigung. Noch extremer gelagert ist aber ein Fall, der vor dem Landesarbeitsgericht Hamm zur Verhandlung kam.

Dabei ging es um einen Bäcker, der ein Brötchen gegessen hatte. An sich nicht verwerflich, sollte man meinen – zumal er das Backwerk ordnungsgemäß erworben und bezahlt hatte. Der Stein des Anstoßes war aber der Brotaufstrich. Denn dieser – ein sogenannter "Hirtenfladen-Belag" – war Eigentum des Arbeitgebers und mitnichten bezahlt. Der Missetäter wurde in flagranti ertappt und fristlos gekündigt. Dass er gleichzeitig Betriebsratsmitglied war, hatte bei dieser Entscheidung sicher überhaupt keine Rolle gespielt.

Der Bäcker verteidigte sich im Rahmen seiner Kündigungsschutz-Klage mit dem Argument, dass er den HirtenfladenBelag nur habe abschmecken wollen – im Interesse der Kunden und auch des Arbeitgebers. Das Gericht befasste sich aber gar nicht mit diesem Argument. Es betonte, dass in solchen Fällen eine gründliche Interessenabwägung notwendig sei. Dabei müsse man durchaus berücksichtigen, dass dem Bäcker als Mitglied des Betriebsrates nur außerordentlich gekündigt werden könne. Einen unrechtmäßig erworbenen Brotaufstrich sah das Gericht jedenfalls nicht als ausreichenden Kündigungsgrund für ein Betriebsratsmitglied an.

Fazit: Dem Arbeitgeber die Butter vom Brot zu nehmen, ist nicht unbedingt empfehlenswert, führt aber nicht in jedem Fall zur Kündigung.

LAG Hamm, Urteil vom 18.09.2009, Az. 13 Sa 640/09