400.000 € Schmerzengeld nach fehlerhafter Operation

07.08.2017, Autor: Frau Almuth Arendt-Boellert / Lesedauer ca. 2 Min. (116 mal gelesen)
Die Schmerzensgelder in Deutschland zeigen Tendenz nach oben. Besonders in der Arzthaftung werden immer höhere Beträge ausgeurteilt - die Patientenseite hat den Kampf gegen die Übermacht der Ärzteseite aufgenommen!

Querschnittslähmung nach grob fehlerhafter HWS-Operation: 400.000 € Schmerzensgeld

OLG Hamm , Urteil vom 11.11.2016 - 26 U 111/15

 
Mit Urteil vom 11. November 2016 (26 U 111/15) hat das OLG Hamm einer Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 € zugesprochen, die infolge einer grob fehlerhaften Operation ihrer Halswirbelsäule eine Querschnittslähmung unterhalb des dritten Halswirbels erlitten hatte.

Keine Indikation für HWS-Operation

Die heute 57-jährige Klägerin, die seinerzeit als Krankenschwester tätig war, hatte viele Jahre unter Rückenschmerzen überwiegend im Bereich der Lendenwirbelsäule gelitten. Anlässlich einer Untersuchung im Jahr 2008 empfahlen ihr Mitarbeiter der später beklagten Klinik die Implantation einer Bandscheibenprothese und Versteifung mehrerer Wirbel ihrer Halswirbelsäule. Nach der Operation litt die Klägerin zunehmend an einer Schwäche aller Extremitäten. Doch auch eine Revisionsoperation vermochte die Entwicklung einer Querschnittslähmung unterhalb des dritten Halswirbels nicht zu verhindern. Die Klägerin ist seither auf einen Rollstuhl und auf fremde Hilfe angewiesen.

400.000 € Schmerzensgeld gefordert

Von der Beklagten begehrte sie daraufhin unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro. Die Operation sei nicht angezeigt gewesen und auch fehlerhaft ausgeführt worden.

Landgericht und Oberlandesgericht sagen: grob fehlerhafte Behandlung

Das OLG Hamm schloss sich der erstinstanzlichen Entscheidung des Landgerichts an und gab der Klägerin Recht. Die Operation sei insgesamt grob fehlerhaft gewesen. Dabei stützten sich beide Gerichte auf die Feststellungen eines Sachverständigen. Diesem zufolge seien die Möglichkeiten einer (weiteren) konservativen Behandlung ohne Operation nicht ausreichend geprüft worden. So habe der schwere Eingriff insbesondere nicht ohne vorherige MRT-Untersuchung durchgeführt werden dürfen. Zudem sei eine fehlerhafte Operationsmethode gewählt worden. Es hätten nicht mehr als drei Wirbel miteinander und schon gar nicht in unmittelbarer Nähe der Bandscheibenprothese versteift werden dürfen. Die Vermutung, dass die grob fehlerhafte Behandlung ursächlich für die eingetretene Querschnittslähmung ist, konnte die Beklagte nicht entkräften.

Im Ergebnis 400.000 € Schmerzensgeld zugesprochen

Wegen der "schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen" sei das Schmerzensgeld in der beanspruchten Höhe gerechtfertigt, so das OLG Hamm. Damit werden hierzulande zwar noch keine amerikanische Verhältnisse erreicht. Gleichwohl ist die Entscheidung eine Belegstelle dafür, dass die Höhe der in den letzten Jahren von deutschen Gerichten ausgeurteilten Schmerzensgeldbeträge insbesondere für schwere Schädigungen deutlich angestiegen ist.



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