Besteht ein Zwang zur Benutzung von Radwegen?

10.06.2013, Autor: Herr Frank Brüne / Lesedauer ca. 2 Min. (1129 mal gelesen)
Radfahrer können sich gegen unzumutbare Radwege wehren!

Nach geltendem Recht dürfen Radfahrer grundsätzlich die Fahrbahn benutzen. Dies bestätigte das Verwaltungsgericht Braunschweig (VG) in seinem Urteil vom 17.04.13 (Az.: 6 A 64/11). Eine Pflicht zur Benutzung von Radwegen besteht nur dann, wenn die Straßenverkehrsbehörde dies durch entsprechendes Verkehrszeichen (weißes Fahrrad auf blauem Grund) anordnet. Fehlt ein solches Schild oder entsprechende Straßenmarkierungen, dürfen Fahrradfahrer Radwege benutzen, sind sie hierzu jedoch nicht verpflichtet. Dabei liegt die Anordnung der Pflicht zur Benutzung von Fahrradwegen im Ermessen der Stadt.


Voraussetzungender Benutzungspflicht

Die Stadt Braunschweig ordnete an verschiedenen Stellen eine Radwegpflicht an. Dabei überprüfte die Stadt nicht, ob die Radwege sicher genug sind und mit welchen Maßnahmen bestehende Risiken für die Fahrradfahrer zu verringern wären und ob es nicht Alternativen zur Benutzungspflicht gäbe. Dabei ging die Verkehrsbehörde zu Unrecht davon aus, dass es zur Benutzungspflicht der Radwege keine Alternative gäbe, zumindest an den meisten Kreuzungen und Einmündungen.

Seit einer Gesetzesänderung Ende der 90er Jahre darf die Pflicht zur Benutzung von Radwegen nur angeordnet werden, wenn eine besondere Gefahrenlage besteht. Die Verkehrsbehörde hat ihrerseits dort für eine besondere Sicherheit zu sorgen. Obwohl die Braunschweiger Beamten eine zu geringe Breite der Radwege und der daneben vorhandenen Gehwege erkannten, hielten sie an der Benutzungspflicht fest.


Stadt hat das letzte Wort

Der Stadt steht ein weiter Entscheidungsspielraum zu, wie sie die unterschiedlichen Interessen der Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer so ausgleicht, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Gerade wegen dieses Spielraums konnte das VG die Benutzungspflicht nicht aufheben. Das Gericht verurteilte die Stadt, die Benutzungspflicht zu überprüfen und falls eine Pflicht zur Benutzung von Radwegen beibehalten werden soll, muss die Stadt prüfen, wie sie die Radwege sicherer gestalten kann.

Radfahrer sollten sich also gegen Bußgeldbescheide z.B. wegen Nichtbenutzung eines vorhandenen Radweges wehren, wenn der Radweg zu schmal oder aufgrund zahlreicher Einmündungen zu gefährlich ist.


Frank Brüne

Rechtsanwalt,
Steuerberater

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